Donnerstag, 5. August 2010



Dienstag, 3. August 2010

Tschüss Fliegi

Du warst in Spanien, und ich wusste du wirst sterben. Der Arzt gab dir 2 Wochen. Du hast Krebs im Endstadium, der dich innerlich auffrisst. Nach 3 Chemotherapien in Spanien, war es allen bewusst, du wirst sterben. Du kamst nach Deutschland, und ich wusste du wirst sterben. Du hättest vermittelt werden sollen. Doch du wurdest nie abgeholt, da wussten wir, du bleibst bei uns. Ich wollte keinen Todkranken Hund. Es war kein guter Zeitpunkt. Meine Prüfungen standen bevor und wir hatten gerade erst unsere Notfallhunde der letzten Jahre verdaut. Doch man muss tun was man tun muss. Du hattest nur noch zwei Wochen und solltest diese noch genießen dürfen, denn wir wussten ja, du würdest sterben. Nach zwei Wochen wolltest du aber noch nicht sterben. Und so hast du weiter gelebt. So wurdest du zu meinem Hund, den ich liebte, als hätte ich ihn seit Ewigkeiten, und das in so kurzer Zeit, und das, obwohl ich wusste, du wirst sterben und obwohl ich mich erst nicht anfreunden konnte mit dem Gedanken, dass du zu uns kommen solltest. Nach 3 Wochen hast du immer noch gelebt, denn schon der erste Tierarztbesuch war eine Verbesserung deiner Lebensqualität. Du bekamst etwas gegen Deine Schmerzen. Dir ging es besser. Das hat mich so unsagbar glücklich gemacht. Denn nach einem Monat hast du immer noch gelebt. Doppelt so lange, als der Arzt dir gegeben hatte. Ich wusste dennoch, dass du sterben wirst. Doch das sollte nicht genug sein. Nach 5 Wochen ging es dir zwar wieder etwas schlechter, denn es war unerträglich heiß, und du wusstest nicht wohin in der Hitze mit deinem kaputten kranken Körber, der innerlich immer weiter zerfiel. Doch nach der 6. Woche ging es dir wieder besser. Ich wusste dennoch, dass du sterben wirst. Deinen Kampf gegen den Krebs hattest du schon in Spanien aufgegeben. Doch nicht den Kampf um die schöne Zeit die du noch haben solltest, denn die hattest du dir nach deinem Leben bestimmt verdient. Und diesen Kampf hast du erfolgreich gewonnen Lola. Denn nach 8 Wochen hast du immer noch gelebt. Und das obwohl jeder wusste, du würdest sterben. Du warst jetzt schon 4 mal so lange bei uns, als der Arzt gesagt hatte. Er hatte gesagt du hast ungefähr 2 Wochen bis zum Tod. Deswegen wusste ich es ja immer: Du wirst sterben. Doch du wolltest nicht sterben. Du wolltest erst noch das Leben nachholen, das du verpasst hattest. Doch dein verfallener Körper wollte das nicht. Nach 9 Wochen hast du zwar immer noch gelebt. Aber du warst abgemagert. Sehr abgemagert. Das Schmerzmittel machte dich hungrig, doch egal wie viel du gefressen hast, es war nie genug. Wir haben dein Futter umgestellt, wegen der größeren Menge die du von da an gefressen hast. Dir ging es nicht mehr so super gut, denn Spazieren gehen konntest du auch nicht mehr. Deine ohnehin schon krummen Beinchen und kaputte Hüfte hätten das nicht mehr ausgehalten. Doch sterben wolltest du noch nicht. Und auch nach der elften Woche, wolltest du nicht sterben. Du hast endlich erfahren dürfen, wie das Leben ist. Und deswegen wolltest du Leben. Dein Bruder war bereits viel früher von dieser Welt gegangen. Doch du hast gelebt, in deinem letzten Monat in Spanien, hat dich dann der Lebensmut verlassen. Dennoch hast du die lange Reise überstanden und kamst du zu uns, und durftest ein richtiges Hundeleben leben. Du bist nicht gestorben. Nicht nach 2 Wochen, oder 5 oder 9 oder 11. Aber ich wusste es immer, du wirst sterben. Der Moment als du gekommen warst, und feststand das du bleibst, machte dich zu meinem Hund. Du warst meine Fliegi, die mir überall hinterher gewatschelt ist. Und dennoch: ich war immer mit dem Wissen das du sterben wirst. Doch das war nie wichtig. Ich hab nie darauf geachtet. Manche würden vielleicht sagen, es wäre einfacher gewesen deinen Tod zu ertragen, wenn ich dich nicht so sehr an mich heran gelassen hätte. Dann hätte ich dich nie so sehr lieben dürfen, wie ich es in dieser kurzen Zeit getan habe. Aber ich habe dich geliebt. Ich habe dich geliebt als hätte ich dich dein ganzes Leben gehabt. Für mich war es als wären es nicht 12 Wochen sondern 12 Jahre gewesen, für mich hattest du keinen kranken Körper mit krummen Beinchen, der viel zu lang war, denn für mich warst du wunderschön. Du hattest tolles glänzendes schwarzes Fell und wunderschöne flauschige Ohren und große braune Kulleraugen zum verlieben. Und ich hab mich in dich verliebt Lola. Doch du bist jetzt nicht mehr auf dieser Erde. Denn der Kampf um die Zeit bei uns ist nun auch vor rüber. Was bleibt mir jetzt noch von dir? Was bleibt, ist die Dankbarkeit dich kennen gelernt haben zu dürfen. Was bleibt , ist das Wissen, dir den Tod erträglich gemacht zu haben und was bleibt, ist der Stolz, dich meinen Hunden nennen zu dürfen. Du warst stark. Aus 2 Wochen hast du eben mal so 12 gemacht. Du bist ein zauberhafter Hund gewesen Lola. Ich wusste immer du wirst sterben. Doch als gestern der Tag da war und die Entscheidung gefallen war, dass es dir zu schlecht zum Weiterleben geht, war es alles andere als leicht für mich. Die ganze Nacht war ich wach und hielt dich im Arm. Als wir dann aber in der Tierarztpraxis waren hast du mir in die Augen geschaut, und da wusste ich es ist die richtige Entscheidung gewesen. Ich habe dich im Arm gehalten als du gegangen bist. Und in diesem Moment wusste ich dass ich dich wirklich geliebt habe.

Weißt du Lola, warum ich weiß, dass ich dich wirklich geliebt habe? Denn obwohl ich jetzt so unsagbar traurig über deinen Tod bin und obwohl ich so unglaublich unglücklich bin und jetzt ein riesiges Loch in meinem Herz ist, verspüre ich trotz meiner Tränen auch Freude.

Denn Wahre Liebe ist, wenn jemand weggeht und man freut sich, weil es ihm dort, wo er hingeht, richtig gut gehen wird.

Und dir geht es jetzt gut, dort wo du bist. Denn wo auch immer du jetzt sein magst, du bist deinen geschundenen, kranken Körper los.

Machs gut mein Mädchen.
Ich werde dich immer im Herzen tragen, deine Cornelia.